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Auf Seite 1 seiner Ausgabe vom
23. Januar 2003 zitiert das Hamburger Abendblatt Bundeskanzler Gerhard Schröders
Festansprache und dessen Erinnerungen an Barbaras Chanson "Göttingen".
Auszug aus der Rede von Bundeskanzler Gerhard Schröder am Mittwoch, dem 22.
Januar 2003 in Versailles anlässlich der gemeinsamen Sitzung des Deutschen
Bundestages und der Assemblée Nationale zum 40. Jahrestag der Unterzeichnung
des Elysée-Vertrags:
...
Aber der politische Wille allein, meine sehr verehrten Damen und Herren,
bewegt nicht zwangsläufig die Herzen. Deshalb bedurfte es auch des
vielleicht naiven Mutes von Männern wie Gunther Klein, damals Intendant des
Jungen Theaters in Göttingen, und der Herzensgröße einer Dame wie "Barbara".
Klein überredete die verehrte Chansonnière zu einem Auftritt in seinem
kleinen Theater. Widerstrebend - die Narben des Krieges und der Nazi-Zeit
waren noch frisch - willigte Barbara ein. Noch am Tag ihrer Ankunft wollte
sie wieder abreisen. Schließlich blieb sie eine ganze Woche lang und gab
Konzerte vor einem begeisterten, jungen Publikum. Angesteckt von dieser
Euphorie, aber ganz sicher auch angerührt, begann sie noch während ihres
Aufenthalts, ihr berühmtes Chanson "Göttingen" zu schreiben. Zwei Jahre
später, 1967, kam sie wieder in die Stadt und trug ihre kleine Hommage vor.
Es ist meines Wissens das einzige Lied, das die große Barbara je auf Deutsch
gesungen hat. Lassen Sie mich aus dem Text zitieren:
"Was ich nun sage, das klingt freilich
für manche Leute unverzeihlich:
Die Kinder sind genau die gleichen
in Paris, wie in Göttingen.
Lasst diese Zeit nie wiederkehren
und nie mehr Hass die Welt zerstören:
Es wohnen Menschen, die ich liebe,
in Göttingen, in Göttingen."
Ich selbst habe, meine Damen und Herren, zu jener Zeit insgesamt mehr als
zehn Jahre in Göttingen gelebt und dort studiert. Ich hatte leider keine
Gelegenheit, das Lied von ihr selbst gesungen zu hören. Doch das Chanson
hallte überall in der Stadt wieder und weit darüber hinaus. Was Barbara dort
direkt in unsere Herzen hinein gesungen hat, das war für mich der Beginn
einer wunderbaren Freundschaft zwischen Deutschen und Franzosen.
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Und auch ich möchte diesen Tag zum Anlaß nehmen, mich für die freundschaftlichen
Kontakte zu Barbaras französischen Verehrerinnen und Verehrern zu bedanken.
Besonders da ich nur wenig französisch spreche und schreibe, verdient Euer
stetiges Bemühen auf deutsch oder englisch mit mir zu korrespondieren, meinen
ganz besonderen Respekt. Ich empfinde Freundschaft zu Franzosen, ich glaube wir
sind sehr neugierig auf einander, wissen um unsere Verschiedenheiten. So gibt es
immer wieder interessante, spannende Begegnungen und Annäherung.
Avec amitiés

Hambourg, Allemagne
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